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Grablege der Staufer mit viel Programm
Kloster Lorch
Kloster Lorch, Mittelschiff der Klosterkirche

VERGANGEN, ABER NICHT VERGESSENDER STAUFERMYTHOS IN LORCH

Die Staufer zählen zu den bedeutendsten Adligen des Heiligen Römischen Reiches – sie waren die Herzöge von Schwaben, später Kaiser und damit Schutzherren der Christenheit. Die Erinnerung an die Staufer zieht sich durch die Geschichte von Kloster Lorch und nahm unterschiedlichste Formen an.

Kloster Lorch, Staufer-Tumba im Mittelschiff der Klosterkirche

Die Tumba, ein prunkvolles Hochgrab, erinnert an die Staufer.

SPÄTMITTELALTERLICHE ERINNERUNG: DIE TUMBA

Das älteste Erinnerungsstück an die Staufer in Kloster Lorch stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts – es entstand über 200 Jahre nach dem Tod des letzten Staufers. 1475 ließ Abt Nikolaus Schenk von Arlberg alle Staufergräber in der Klosterkirche öffnen und die noch vorhandenen Gebeine zusammentragen. Die Überreste wurden fortan in einem steinernen Hochgrab in der Mitte der Klosterkirche verwahrt. Die Staufer, Gründer des Klosters Lorch, wurden zentraler Bezugspunkt mönchischer Erinnerungskultur. Jedes Jahr am 2. September feierten die Mönche einen Staufer-Gedenktag.

Kloster Lorch, Wandbild in der Klosterkirche, Kaiser Friedrich Barbarossa

Kaiser Friedrich ist an seinem roten Bart („Barbarossa“) zu erkennen.

ANKNÜPFEN AN DIE VERGANGENHEIT

1525 wurde Kloster Lorch im Bauernkrieg stark verwüstet. Bei der Renovierung der Klosterkirche knüpfte Abt Laurentius Autenrieth mit den damals geschaffenen Stauferbildern bewusst an die Tradition an. In der schwierigen Lage der Reformationszeit vermittelten die Malereien ein Gefühl von Stabilität und Kontinuität. Die ursprüngliche Gestaltung der Bilder hat sich nicht erhalten. Die Malereien wurden die folgenden Jahrhunderte über gepflegt, erneuert und dabei auch – jeweils nach zeitgenössischen Geschmack – übermalt.

Kloster Lorch, Gedenktafel für Irene von Byzanz an der Innenwand der Klosterkirche, 1898, Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Steffen Hauwirth

Die Gedenktafel von 1898 im südlichen Querschiff erinnert an Irene von Byzanz.

IRENE VON BYZANZ, TOCHTER DES KAISERS

Im deutschen Kaiserreich des 19. Jahrhunderts dachte man an die damalige Zeit der deutschen Könige und Kaiser romantisch zurück. Die Ehe Irenes von Byzanz, Tochter des byzantinischen Kaisers, mit Philipp von Schwaben löste dabei großes Interesse aus. Wahrscheinlich, weil nur wenig über ihr Leben bekannt ist. Fest steht, dass sie im Kloster Lorch beigesetzt wurde, eine Grabstelle hat sich jedoch nicht erhalten. 1898 setze man Irene von Byzanz eine Gedächtnistafel – eine dauernde Erinnerung, an das kaiserliche Erbe der Staufer.

Kloster Lorch, Außenansicht, Stifter Herzog Friedrich von Schwaben und Agnes von Waiblingen

Kloster Lorch wurde zu einer Gedenkstätte der Nationalsozialisten.

LORCH UND DIE NATIONALSOZIALISTEN

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Geschichte der schwäbischen Kaiser und Könige für politische Zwecke instrumentalisiert. 1937 beschloss die kommunale Verwaltung „eine Stätte für nationalsozialistische Feierstunden größeren Umfangs zu schaffen“. Die SS versammelte sich noch im selben Jahr „zu einer nächtlichen Feierstunde (…), um an der Gruft der Staufer der deutschen Kaiser des Mittelalters zu gedenken.“ Die Nationalsozialsten vereinnahmten und transformierten die Erinnerung an die Staufer in ihrem Sinne.

Das Wappen der Staufer

Die Erinnerung an die Staufer ist noch immer ganz aktuell – was nicht zuletzt auch das Große Landeswappen Baden-Württembergs zeigt.

DAS LAND BADEN-WÜRTTEMBERG

Nach Kriegsende wurde den Staufern zunächst nur auf kommunaler Ebene gedacht. Mit der Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 änderte sich dies. Im Landeswappen sind bis heute die drei Löwen der Staufer zu sehen. Das neue Bundesland berief sich auf die Geschichte des schwäbischen Adelsgeschlechtes. Die Staufertradition stiftete Identität und Gemeinschaft. Die große Ausstellung „Die Zeit der Staufer“ hielt die Erinnerung lebendig, die „Straße der Staufer“ führte ab 1977 zu den wichtigsten Plätzen staufischer Geschichte im deutschen Südwesten.

DIE STAUFER IM 21. JAHRHUNDERT

Im Jahr 2002 wurde das 900-jährige Bestehen von Kloster Lorch groß gefeiert. Der Künstler Hans Kloss beendete nach fünfjähriger Arbeitszeit pünktlich zum Jubiläum sein Stauferrundbild – eine Hommage an die Staufer und ihre Geschichte, installiert im ehemaligen Kapitelsaal des Klosters. Auf 30 Metern wurden die wichtigsten Stationen der staufischen Geschichte hervorgehoben, wie beispielsweise die Wahl Friedrich Barbarossas oder der Tod des letzten Staufers in Sizilien. Auch Tourismus und Werbemaßnahmen profitieren von den Staufern. Der Name wird von einer Aura des Guten, des Wertvollen und der Tradition umgeben.

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Das Staufer-Rundbild ermöglicht einen Rundgang durch die staufische Geschichte.