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Grablege der Staufer mit viel Programm

Kloster Lorch

Links das Mühlsteinwappen des Abtes Laurentius Autenrieth und rechts das Lorcher Klosterwappen; Foto: Ulrich Rund
Eine mittelalterliche Karriere

LAURENTIUS AUTENRIETH

Laurentius Autenrieth (1483–1549) war als Schreiber an der Entstehung der Lorcher Chorbücher beteiligt. Mitten im Bauernkrieg wurde er zum Abt des Klosters Lorch gewählt. 15 Jahre lang kämpfte Autenrieth gegen die Reformation und für den Erhalt des Klosters.

Außenansicht des Klosters Blaubeuren; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Sven Grenzemann

In Blaubeuren besuchte er die Klosterschule.

Woher stammte Laurentius Autenrieth?

Der Mühlstein im Wappen erzählt etwas über seine Herkunft: Laurentius Autenrieth wurde als Sohn eines Müllers 1483 in Blaubeuren geboren. Nach dem Besuch der Klosterschule trat er dort als Novize in das Kloster Bebenhausen ein. Hier erhielt er wohl seine Ausbildung zum Schreiber.

Laurentius Autenrieth, später Abt des Benediktinerklosters Lorch, im Lorcher Graduale, Standort: WLB Stuttgart Cod. mus. I fol. 65, Bl. 218r; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Aufstieg vom Sohn eines Müllers zum Abt.

Wie sah seine Karriere aus?

Um 1505 wechselte Autenrieth von Blaubeuren nach Lorch und wurde Schreiber im Kloster. Etwa um das Jahr 1508 übernahm er das Amt des Kustos und wurde noch vor 1519 zum Prior, dem Stellvertreter des Abtes, ernannt. Ende 1525 trat er dessen Nachfolge an – mitten in den Wirren des Bauernkriegs, in deren Zusammenhang das Kloster überfallen und teilweise niedergerannt wurde. Unter der Leitung Abt Autenrieths konnten Klosterkirche und Konventgebäude schon innerhalb weniger Jahre wieder errichtet werden.

Seite mit Noten aus dem Lorcher Chorbuch, Anfang 16. Jahrhundert; Foto: Ulrich Rund

Eines der Lorcher Chorbücher.

Warum ist Autenrieth heute noch bekannt?

Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart bewahrt drei große, prachtvolle liturgische Bände auf: die Lorcher Chorbücher. Sie entstanden am Anfang des 16. Jahrhunderts. Einer der Schreiber der insgesamt 1784 Seiten war Laurentius Autenrieth! Außerdem hatte Autenrieth 1520 ein Schreibmusterbuch entworfen. Diese Vorlagen für schöne Zierschriften bewahrt heute ebenfalls die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart auf.

Wozu brauchte man Schönschreiber?

Als Laurentius Autenrieth zusammen mit anderen an den großen Chorbüchern schrieb, war der Buchdruck längst erfunden. Die handgeschriebenen Bücher dienten nur noch zur Repräsentation. Die Lorcher Chorbücher waren ein kostbares Geschenk an das Kloster, dessen Hauptstifter Herzog Ulrich von Württemberg gewesen ist.

Herzog Ulrich von Württemberg, Holzschnitt von Brosamer, um 1530; Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Robert Bothner

Vom Förderer zum Gegner.

Und in der Reformationszeit?

Das Schicksal von Laurentius Autenrieth ist exemplarisch für die Reformationszeit. Als letzter katholischer Abt Lorchs erlebte er zwei Jahrzehnte nach der Erstellung der Chorbücher die Aufhebung des Klosters durch den einstigen Wohltäter und Unterstützer Herzog Ulrich von Württemberg. Der Förderer von 1511 war 1535 zum Gegner geworden. Autenrieth widersetzte sich lange der Reformation, konnte jedoch die Auflösung des Klosters nicht verhindern.

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